Verkehr & Tourismus

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Im Folgendem werden die Anspruchsgruppen an Hochseekreuzfahrtgesellschaften definiert sowie deren Interessen herausgearbeitet, ihre Beziehungen zum Verkehrsträger untersucht sowie die Finanzierung und die unterschiedlichen Besitzverhältnisse analysiert.

Abbildung: Beziehungen zwischen Stakeholdern und Hochseekreuzfahrtgesellschaften

Die Abbildung zeigt wie Hochseekreuzfahrtgesellschaften in ein großes System von Interessensgruppen eingebettet sind. Im Folgenden wird auf die einzelnen Interessengruppen nämlich Fremdkapitalgeber, Passagiere, Arbeitnehmer, Dienstleister und Kooperationspartner sowie die Gesellschaft eingegangen.

Beziehungsgeflecht

In den direkten Verwaltungsbereich der Kreuzfahrtunternehmen fallen die Reedereien, Reiseveranstalter sowie die Schiffe. Bei manchen Veranstaltern wie beispielsweise AIDA werden die Veranstaltungen und Aufführungen in einer eigenen Abteilung entwickelt. Diese Bereiche fallen in die Dienstleistungsgrenze der Kreuzfahrtunternehmen. Im Folgenden sollen die Beziehungen zwischen Verkehrsträger und Stakeholder erläutert werden, in dem die Interessen der Kreuzfahrtunternehmen analysiert werden.

Von seinen Geldgebern erwarten sie finanzielle Mittel, um für die Kunden ein attraktives Angebot schaffen zu können. Die Anschaffung eines Schiffes ist mit hohen Investitionssummen verbunden und besonders die Ausstattung (z.B. für Freizeitangebote) erfordert eine hohe Kapitalsumme.
Von den Passagieren versprechen sich die Unternehmen Umsatz und Kundenbindung. Besonders lukrativ für die Kreuzfahrtunternehmen ist das Konzept der bargeldlosen Kreuzfahrt. Bei Reiseantritt hinterlegt der Passagier eine Kopie seiner Kreditkarte, zahlt seine Leistungen an Bord durch eine Unterschrift und erhält am Ende der Reise eine Rechnung, die er zu begleichen hat.

Das Personal soll kompetent sein und sich den Passagieren gegenüber zuvorkommend verhalten, um eine hohe Dienstleistungsqualität gewährleisten zu können. Die Qualität der Leistungserbringung ist für die Kreuzfahrtunternehmen enorm wichtig, weshalb soziale Kompetenzen und Kontaktfreude eine große Rolle spielen, da die Mitarbeiter in direktem Kontakt mit den Passagieren stehen. Sie erhalten vergleichsweise geringe Gehälter, können jedoch an Bord kostenfrei schlafen und essen. Die Zusammenarbeit mit Lieferanten dient der Kostensenkung und Prozessstandardisierung, außerdem soll ein umfangreiches Angebot erstellt werden. Für die Kreuzfahrtunternehmen ist es enorm wichtig, dass die Partner ein gleiches Verständnis von Servicezufriedenheit haben, um die Erwartungen der Endkunden zu erfüllen.

Die Reedereien erwarten von den Häfen eine bereit gestellte Infrastruktur, um das Schiff an den Häfen stationieren zu können. Die verschiedenen Leistungsträger der Kreuzfahrtunternehmen müssen ihr Angebot zur Verfügung stellen, um die Leistungen in für die Passagiere attraktive Pauschalreiseangebote bündeln zu können. Für die Kreuzfahrtanbieter sind die Erhaltung langfristiger und enger Geschäftsbeziehungen wichtig, um Kosten für die Auswahl und Kommunikation mit Lieferanten zu senken und um den Kunden eine hohe Dienstleistungsqualität zu liefern. Die Absicht, mit Vertriebspartnern zusammen zu arbeiten, soll vor allem Buchungen generieren. Meistens vertreiben Vollreisebüros die Angebote. Da eine Kreuzfahrt ein sehr komplexes System ist und die Angebote sehr stark variieren, sind sie beratungsintensiv. Der indirekte Vertriebsweg ist allerdings der wichtigste für Kreuzfahrtunternehmen. Um die kostspieligen Provisionen zu vermeiden, fokussieren Reedereien verstärkt den direkten Vertrieb.

Von den Einheimischen wird erwartet, dass sie den Touristen freundlich und aufgeschlossen gegenübertreten, um den Passagieren eine unvergessliche Reise zu bereiten. Die Regierungen und Staaten sollen den Unternehmen Fördermittel und finanzielle Unterstützung sowie die materielle und rechtliche Infrastruktur zur Verfügung stellen. Von den Medien wird die Berichterstattung und die Schaffen eines positiven Images erwartet, da die Medien die Wahrnehmung der Öffentlichkeit beeinflussen. Durch den Druck von Umweltschutzverbänden, entwickeln TUI Cruises und Aida aktuell Systeme, um die Schadstoffvermeidung zu steigern.

Finanzierung und Besitzverhältnisse

„Reiseveranstalter chartern die Schiffe von den Reedereien und legen die Route sowie das Bordprogramm fest. Die Reederei ist dabei als Leistungsträger neben dem Transport auch für die Beherbergung und die Verpflegung zuständig.“

Sowohl Kreuzfahrtveranstalter als auch Reedereien bieten Kreuzfahrten an. Im Vordergrund steht nicht der Transport, sondern die zur Verfügung stehenden Aktivitäten an Bord, während die Landgänge als eine Zusatzleistung gesehen werden.
Um sich Kapazitäten zu verschaffen, gibt es für die Veranstalter verschiedene Formen:

Form Inbegriffene Leistungen
Vollcharter Schiff mit Besatzung
Bare-boat charter Nur Schiff ohne Personal
Blockcharter Bestimmtes Kontingent an Bord
General Sales Agent Vertrieb eines Schiffs einer Reederei in bestimmter Region
Provisionen Verkauf von Kapazitäten über Provision


Der Kreuzfahrtmarkt wird zu 80% von Carnival Corporation, Royal Caribbean Cruises und der Norwegian Cruise Line Holdings beherrscht. Die drei Konzerne sind börsennotiert, die Branche bietet viel Raum für Investoren. In der Kreuzfahrtbranche treten vor allem Banken, Aktionäre, private Reeder oder Privatpersonen als Investoren auf.
Reedereien beteiligen sich oder übernehmen zunehmend Unternehmen, um die gesamte touristische Leistungskette abdecken zu können. Dazu gehören u.a. Reiseveranstalter, eigene Inseln oder Kaianlagen. Da viele Reedereien im immer größer werdenden Wettbewerb Kosten einsparen wollen, ist es in der Kreuzfahrtindustrie üblich, die Schiffe in kostengünstigen Häfen zu registrieren. Bevorzugt werden dabei Länder wie beispielsweise Panama, in denen Reedereien keine Steuern auf Einnahmen abgeben müssen, die außer Landes erwirtschaftet werden. Ziel der Registrierung in diesen Ländern ist es, keine Steuerabgaben tätigen zu müssen sowie bestimmte Vorschriften zu umgehen. Diese Länder werden als „Flags of Convenience“ bezeichnet. Die Wahl der Flagge des Schiffes hat auch Folgen für die Mitarbeiter auf den Schiffen, da sie das gültige Arbeitsrecht für das Personal an Bord bestimmt. So können die Personalkosten deutlich gesenkt werden, da durch das geltende Recht ausländische Mitarbeiter gering bezahlt werden können. Diese Möglichkeit ist für die Reedereien und Veranstalter sehr lukrativ, da auf den großen Schiffen auch entsprechend viel Personal benötigt wird. Die Nationalität der Reederei selbst ist häufig eine andere als die des Schiffes. Weitere Kosten entstehen durch Treibstoff, Reinigung des Schiffes, Gebühren für Häfen und der Instandhaltung der Schiffe sowie Versicherungen. Für die Auswahl von Lieferanten werden Preisobergrenzen festgelegt.

Da Kreuzfahrten einen stark florierenden Markt darstellen, werden neue Schiffe gebaut, Routen in das Programm aufgenommen und Investitionen in den Bereichen Marketing und Vertrieb getätigt, um weiterhin Kunden zur Buchung einer Kreuzfahrt zu bewegen. Im Markt findet eine Konsolidierung statt, da der Trend in der Industrie zu immer größeren Schiffen mit einer umfangreicheren Ausstattung an Bord tendiert. Da diese mit hohen Kosten verbunden sind, fand die Übernahme von zahlreichen Reedereien durch die Marktführer statt. Beispielsweise befand sich 1973 nur ein Schiff im Besitz der Carnival Corporation, aktuell betreiben sie 102 Schiffe durch verschiedene Marken (darunter unter anderem Carnival Cruise Line und Aida). Carnival Corporation & plc, Royal Caribbean Cruise Limited und Norwegian Cruise Line mit ihren jeweiligen Marken dominieren den Kreuzfahrtmarkt. Sowohl Reedereien als auch Werften versuchen die Kosten der Produktion zu senken. Dies soll durch Serienfertigung der Schiffe geschehen, beispielsweise durch die Herstellung von Schwesterschiffen, um Kosten für die Entwicklung und Konstruktion auf mehrere Schiffe aufzuteilen. Außerdem werden viele Bereiche der Herstellung an externe Dienstleister vergeben, beispielsweise im Bereich der vorgefertigten Bestandteile bis hin zur Montage selbst. Es werden in den nächsten Jahren weiter viele neue Kreuzfahrtschiffe gebaut werden.

Autor

Autor dieser Seiten und Unterseiten ist Kathrin Ebner. Sie studiert Tourismus-Management an der Hochschule Kempten. Sie spezialisierte sich in ihrem Studium auf die Schwerpunkte Management von Verkehrsträgern sowie Kunden- und Qualitätsmanagement.